Raum der Stille

Projektbeschreibung  „RAUM DER STILLE“

Im letzten Schuljahr, Oktober 2007,  überlegten die Teilnehmer der AG „Streitschlichtung“, ob und wie sie einen Raum für die Streitschlichtungen gestalten könnten.

Nach Rücksprache mit der Schulleitung und dem Kollegen, der den Mofa-Kurs durchführt, wurde der ehemalige Verkehrserziehungsraum gewählt, der noch mit alten, nicht mehr genutzten Materialien belegt war.

Nach dem Entrümpeln, wobei „starke“ 10.-Klässler endlich ihre vollen Kräfte einsetzten konnten, wurde der Raum zum Streichen vorbereitet. Beim Ausbessern der Risse, die von einer alten Tafel verdeckt wurden und beim Mischen der Farbe bekamen wir tatkräftige Unterstützung von den gerade in der Schule arbeitenden Malern. Parallel dazu liefen bereits die ersten Streitschlichtungsgespräche, die wie bisher in den Klassenräumen der entsprechenden Schüler stattfanden. Da sich diese Praxis eigentlich bewährt hatte, tauchte nun ein neuer Nutzungsgedanke für den schon neu gestrichenen Raum auf: ein Besinnungsraum oder Raum der Stille.

Meditationen, Atemwahrnehmungen, Phantasiereisen oder auch Muskelentspannungen wurden bisher im Klassenraum oder auch schon mal auf der Bühne der Aula (mit Teppichboden) durchgeführt. Da bei der Renovierung der neuen Aula ein wenig Geld übrig blieb, konnte der neue Raum sogar einen Teppichboden erhalten. Für das entspannte Liegen nähten eifrige Schüler aus der 8. Klasse nachmittags Kissenbezüge, die jetzt im Kreis liegend jeden Eintretenden schon einladend empfangen.

Die bisher letzte Aktion hierzu wurde für die bildhafte Gestaltung einer großen, leeren Wandfläche durchgeführt. Da möglichst ein „Bild“ von allen arbeitenden Menschen an unserer Schule hergestellt werden sollte, wurde an jeden Schüler, Lehrer sowie an die Sekretärin und den Hausmeister ein kleines Pappquadrat verteilt, das in einer vorgegebenen Farbe mit unterschiedlichen Materialien wie Stoff, Papier, Bänder, Perlen, Knöpfen etc. und Farbe bearbeitet werden sollte. Interessant war, dass die Schüler bei der Vorstellung häufig erst skeptisch waren, beim Arbeiten dann jedoch in fast allen Klassen eine sehr angenehme, entspannte Atmosphäre herrschte. Mit den Schülern einer 10. Klasse wurde dann überlegt, wie man diese ca. 360 kleinen, farbigen Quadrate zu einem Gesamtbild zusammenstellen kann. Mehrheitlich wurde ein Regenbogen als Form gewählt und ein paar Schüler zeichneten und grundierten eine entsprechende große Pappe, die nun diese Unikate schmücken. Viele Schüler suchen beim Eintreten in den Raum der Stille „ihr Quadrat“ und genießen die Möglichkeit zumindest manchmal Ruhe und Entspannung zu erleben.

Der „Raum der Stille“ im Schulalltag

Der Raum der Stille wird nicht von allen Kollegen genutzt. Aber hier ein paar Beispiele für die Einbindung in den Schulalltag:

Nach den Ferien gemeinsam mit der Klasse im Kreis sitzen und von den freien Tagen erzählen. So kann jeder jeden sehen und in dieser Atmosphäre erzählt es sich besser.

  • Leseförderung: Die Schüler bringen ihre momentanen Lieblingsbücher mit und es wird hier zusammen still gelesen oder auch mal vorgelesen.
  • Vorstellung einer Hausarbeit: z. B. in der 5. Klasse sollte für den Deutschunterricht der Lieblingsplatz beschrieben werden und die Mitschüler sollten ihn aufgrund der Beschreibung erraten.
  • Die Streitschlichter-AG findet in der 7. und 8. Stunde statt und zur Einstimmung finden die ersten 10 Minuten häufig hier statt, um ein wenig aufzutanken z. B. durch eine Fantasiereise.
  • Im Religionsunterricht werden Dias gezeigt, z. B. Bilder zum Kreuzweg oder auch Lieder vorgespielt, die dann interpretiert werden.
  • Festes Thema im evangelischen und katholischen Religionsunterricht der Klassen 10 ist: „Wege zur Mitte“. Hier werden verschiedene Möglichkeiten zur Entspannung auch praktisch erprobt: z. B. Progressive Muskelentspannung, Atemwahrnehmung, Bildmeditation bis hin zur Meditation von biblischen Texten.
  • Manchmal wird auch nur eine kurze Geschichte vorgelesen und vielleicht dazu ein Dia aus der Geschichte gezeigt (z. B. „Frederick“ von Leo Lionni oder Passagen aus  „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry). Dies kann als Einstimmung zu einem bestimmten Thema sein oder auch als Ausklang.
  • Weiterhin läuft das Pausen-Angebot der 10er Schüler: Dienstags in der großen Pause können Schüler aus jeweils einer Jahrgangsstufe nach vorheriger Anmeldung (Eintragen auf einem Zettel ein paar Tage vorher) in den Raum der Stille gehen und bekommen dort eine Fantasiereise vorgelesen oder können sich gegenseitig mit Igelbällen vorsichtig massieren.
  • (Vor den Weihnachtsferien gab es sogar eine Entspannungspause extra für Lehrer. Ramona aus der Kl. 10 A2 hat es ganz gut gefallen, dass ihr ein paar Lehrerinnen und Lehrer zu Füßen lagen und ihrer Fantasiereise lauschten.)

Der Raum ist abgeschlossen, aber jeder Kollege hat einen Schlüssel. Zur Nutzung während der Unterrichtszeiten können sich die Kollegen auf einem Plan eintragen (genau wie bei der Belegung für den Computerraum oder Filmraum).

Den 10er Schülern wird zu Beginn der Pause der Raum aufgeschlossen und sie wählen dann aus den vorhandenen Materialien (Texte, Musik, Igelbälle) ihre gewünschten aus. In der Regel besprechen wir danach noch kurz, wie es gelaufen ist.

Das Konzept des Raumes überzeugte. Der Hauptpreis von 500,- ging an die Gemeinschaftshauptschule!